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Es war wohl die höchste und entsprechend auch die kälteste Nacht auf dieser Reise. Zum ersten Mal habe ich IM Schlafsack genächtigt. Ansonsten mag ich es lieber, den Schlafsack mit offenem Reißverschluss als Decke zu benutzen. Sogar den Kopf hatte ich drinne, um darüber keine Körperwärme zu verlieren. Hochebene oberhalb von 3000m und keine Wolkendecke am Nachthimmel, da kann's schon mal frisch werden! Jedenfalls waren es um 8h nur 5,5°. Der Wecker klingelt zwar um 7.30h, aber im Bettchen ist's so gemütlich, dass ich noch eine halbe Stunde döse, bevor es auf zu neuen Abenteuern geht. Ich möchte heute unbedingt zum Salzsee Salinas Grandes, jedoch nicht denselben Weg zurück über Humahuaca und Purmamarca, sondern den nördlichen Bogen über südlich von Abra Pampa. Allerdings fahre ich ohne Navi und Karte. Was soll da schon schief gehen?!? Ich fahre so vor mich hin, genieße die herrliche Bergwelt, die wieder mal in herrlichen Farben an mir vorbeizieht und zum Fotografieren einlädt. Jedoch wundere ich mich, dass nicht langsam mal Schilder zum Salzsee auftauchen. In La Quiaca werfe ich dann das Navi an. Siehe da: Ich bin an der bolivianischen Grenze, also knapp 65km zu weit nach Norden geirrt und v.a. die Abzweigung nach Süden verpasst. Was soll's? Ich habe ja Urlaub...die Abzweigung hatte ich auf der Herfahrt wohl wahrgenommen, aber nicht für voll genommen. Es geht mal wieder gute 100km über unbefestigte Sandpiste mit unzähligen badens (Furten, die bei der Schneeschmelze oder in der Regenzeit offenbar enorme Wassermassen fassen müssen). Ich schalte das Radio aus (bei den Vibrationen höre ich sowieso nix) und lausche nach ungewöhnlichen Geräuschen (wie Johann, das Gespenst, in Das Boot). Mal gehen ja erfahrungsgemäß Klappen im Einbauschrank auf oder sonst irgendwas verrutscht oder geht kaputt (eine Klappe rastet schon nicht mehr ein, der Campingkocher hat einen Gummifuß verloren). Wie schnell fährt Mensch hier? Diese Pisten, wie sie auf Island oder der Baja California normal sind, würde mein Vater mit: "Mach' das langsam!" Bei 100km wäre der Tag dann gelaufen. Ich versuche es also mit 70-80km/h. Bei manchen Furten oder Tiefsandfeldern ist das zu schnell. Entweder bremst das ESP automatisch, wenn der Wagen schleudert oder die Räder auf einer Seite durchdrehen...oder das Fahrzeug setzt auf. Nach zwei lauten Aufsetzern fahre ich noch höchstens 70km/h und bremse vor den Furten. Immer wieder leuchten rechts von mir weiße Felder auf. Es kann nicht mehr weit sein! Schließlich erreiche ich einen Parkplatz voller Stände, an denen indigene Künstler*innen ihre Kunstwerke, aber auch Essen und Trinken verkaufen. An der Touristeninformation können für $8000 die Dienste von Führer*innen erstanden werden. Sie führen eine/n mit dem Motorrad oder Auto über den Salzsee und erläutern an zwei Haltestellen das Wichtigste. Neben Geschichte, Zusammensetzung und Dicke der Salzschicht erfahre ich, wer hier schürfen darf: indigene Gruppen, argentinische und ausländische Firmen. Auf meine Frage zu den Protesten gibt Rodolfo, mein Guide, bereitwillig Auskunft. Die Politiker*innen seien doch alle gleich (korrupt). In der argentinischen Regierung sitze EIN indigener Abgeordneter - von rund 270. Der Salzsee sei den indigenen Völkern heilig, weil es die Verbindung zwischen Wasser und den Bergen darstelle. Das interessiere natürlich weder die Politik noch die Wirtschaft, die kurzfristig in Legislaturperioden und Gewinnmaximierung denken. Wer von den Einheimischen im Tourismus oder den Minen arbeitet, profitiert...aber die daraus resultierende Wasserknappheit trifft insbesondere die sozioökonomisch schwächer Aufgestellten. Hauptsache, wir fahren in Europa bald alle Elektroautos. Sie sind nämlich besser für unsere Umwelt...weil die Emissionen und Umweltschäden woanders (nämlich im globalen Süden) passieren. Bei uns in Deutschland kommt doch das (warme) Wasser aus der Wand. Ich fahre weiter nach Purmamarca, weil ich gestern mangels Planung den Cerro de siete colores (Hügel der sieben Farben) ausgelassen hatte. Immer höher schlängelt sich die asphaltierte Straße (Danke!), bis wir den Pass auf 4170m erreichen. Viele Fotos, wenig Verkehr, unzählige Kurven später bin ich auf der anderen Seite der Berge, stelle das Auto am Dorfrand ab und laufe die kleine Runde in der Dämmerung. Auf dem Rückweg zum Auto kaufe ich noch schnell das Abendessen: zwei Brötchen, ein Stück Käse und einen Joghurt. Nach Hause sind es knapp über 1000km. Ich suche mir südlich von Jujuy einen Stausee und parke in der Nähe vom Ufer. Morgen und Sonntag fahre ich den Rest und mache (hoffentlich) noch ein paar interessante Pausen.
18. Oktober 2025, 15:50:45.Während im Osten zweimal Blitze aufzucken, ist der Himmel ansonsten dunkel. Nur unzählige Sterne sind zu sehen. Die Berge, die die Hochebene wie ein Vulkankrater umschließen, sind deutlich zu erkennen. Stille und Einsamkeit regieren. Nur ein paar Mäuse in der Nähe fiepsen miteinander.
Waren es bei meiner Abfahrt um 14h in Salta noch 27°, stieg die Temperatur unterwegs auf gut 30°. Hier oben in der Puna sind es um 22h nur noch 9°. Dieses Land ist schon verrückt!
18. Oktober 2025, 15:49:39.Die verschiedenfarbigen Bodenschichten sind charakteristisch für diese Gegend.
In der Hochebene Puna übernachte ich. Weit und breit kein Mensch! :)
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